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Unterwegs für das Stader Tageblatt

Pokalendspiel SV Drochtersen Assel – SV Meppen • Regionalliga vs 3. Liga

Wahnsinn… und wieder hat SV Drochtersen Assel e.V. Geschichte geschrieben. Für das Stader TAGEBLATT online war ich gestern ganz nah dabei und habe live Bilder an die Kollegen gesendet sowie ein paar Schnappschüsse eingefangen. Auf FuPa Stade sind die Bilder bereits online. Herzliche Glückwunsch nach Kehdingen. Hier gehts zur Galerie

Berichte Tageblatt
Um 20.52 Uhr ist der Triumph perfekt – und D/A feiert

Vier Minuten Nachspielzeit. Ein Abseitsgegentor. Zittern. Und dann: Riesenfreude nach dem 1:0-Sieg der SV Drochtersen/Assel im Niedersachsenpokal-Finale gegen den SV Meppen. So haben die Protagonisten den Abend im Kehdinger Stadion erlebt.

Von Jan Bröhan und Wolfgang Stephan

Vier Minuten Nachspielzeit können bei einer 1:0-Führung im Pokal-Endspiel ganz schön lange sein. Die längst nicht mehr sitzenden Zuschauer auf den Tribünen fordern immer wieder den Abpfiff, da trifft Meppen in der 93. Minute doch noch zum Ausgleich. Schock. Aber nur kurz. Abseits. Kurz darauf brechen alle Dämme im Kehdinger Stadion. Durch das Tor von Alexander Neumann ist der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel zum dritten Mal Pokalsieger und spielt wieder im DFB-Pokal.

„Jetzt ist der Teufel los, … es wird ’ne heiße Nacht, denn heut’ wird durchgemacht“, schallte es vor Spielbeginn aus den Lautsprechern im Kehdinger Stadion, das mit 3051 Zuschauern, davon 325 aus Meppen, ziemlich voll war und eine glänzende Kulisse für dieses Pokal-Endspiel bot. Über weite Strecken war es ein gutes und spannendes Fußballspiel bei Frühlingssonne und schattigen Temperaturen, in dem D/A die größeren Spielanteile und die besseren Chancen hatte.

„D/A ist der verdiente Sieger, einen Klassenunterschied habe ich nicht gesehen“, sagte am Ende der 94 Minuten der Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel, der in der vergangenen Saison D/A das Traumlos im DFB-Pokal gegen Bayern München gezogen hatte. Wenig später hatte auch der im Freudentaumel auf dem Rasen schwebende Präsident Rigo Gooßen das ganze Ausmaß dieses Sieges verinnerlicht: „Es werden wieder Tribünen aufgebaut“, kündigte er mit Blick auf das Erreichen der DFB-Pokal-Hauptrunde an. Gut 100.000 Euro TV-Gelder sind D/A sicher, ein attraktiver Gegner soll es wieder bei der Auslosung am 15. Juni werden.

Fünferkette ist Bollwerk

Im Moment des Sieges war so viel Weitblick aber nicht gefragt: Als Schiedsrichter Franz Bokop um 20.52 Uhr endlich zur Pfeife griff, war im Kehdinger Stadion tatsächlich der Teufel los. Zuschauer stürmten auf das Spielfeld und die Helden des Abends herzten alles und jeden. Marcel Andrijanic, der erst fünf Stunden vor Spielbeginn vom Sportgericht die Spielberechtigung erhalten hatte, tanzte mit dem überragend agierenden Oliver Ioannou über den Rasen, Nico von der Reith verteilte seine Küsse bei den Zuschauern, während Meikel Klee sich seiner Tränen nicht schämte.

„Einen besseren Abschluss nach neun Jahren hätte ich mir nicht erträumt“, sagte der scheidende Verteidiger, der zusammen mit seinen vier Spielkameraden eine Fünferkette zum Bollwerk gegen die Meppener Angreifer formiert hatte. „Wir haben nicht viel zugelassen“, jubelte Torwart Patrick Siefkes, der kurz vor Schluss einen Gewaltschuss mit einer Faust abwehrte und ansonsten sehr sicher agierte. Sein Lob: „Gegen Bayern haben wir es gut gemacht und heute wieder.“

Beim Feiern besonders begehrt war Torschütze Alexander Neumann, der sich in der 78. Minute gegen drei Angreifer durchgesetzt hatte und das Spielgerät per Heber über den Keeper ins Netz schlenzte. „Die schwierigen Dinger macht er halt“, urteilte sein geerdeter Trainer Lars Uder, für den die Nacht besonders kurz war, denn nach der Jubelarie im Stadion durfte er zu Hause das gestern bestandene Staatsexamen der Ehefrau feiern – und heute Morgen um sechs Uhr zur Klassenfahrt mit seinen Schülern in Otterndorf starten. Oliver Ioannou war am Ende völlig geschafft: „Ich habe es immer gesagt, in solchen Spielen sind wir immer da. Es ist unglaublich, was diese Mannschaft für eine Mentalität hat.“

Ausdauer beim Jubeln

„Ich bin stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein“, bekannte Nico von der Reith, der wenig später eine besondere Aufgabe übernahm und erst dem Trainer und wenig später dem Präsidenten die obligatorische Pokal-Bierdusche nach Münchner Art verpasste: Aus dem Jumbo-Glas über den Kopf in den Nacken.

„Überragend, einfach überragend, jetzt sind wir wieder im DFB-Pokal“, sagte Kapitän Sören Behrmann, der beim Jubeln Ausdauer bewies, was ihm angesichts seiner Präsenz auf dem Platz auch als besondere Leistung attestiert werden konnte. Dass sein Präsident in seinen Armen wieder heulte, gehörte auch zu den Feststellungen des Abends. „Wieder so ein Ding“, waren Gooßens erste Worte nach dem Schlusspfiff. Danach fehlten ihm die Worte, am Ende konnte er aber auch grölen: „So sehen Sieger aus.“

Wenig später schallte es wieder aus den Lautsprechern: „Jetzt ist der Teufel los, … es wird ’ne heiße Nacht.“ Aber nicht nur das: Ab Sonntag feiert das Team sich und den Pokal in Mallorca. Vier Tage, vier Nächte.

Die Statistik

Tor:1:0 (78.) Neumann

SV Drochtersen/Assel: Siefkes, Klee, von der Reith, Behrmann, Fiks, Elfers (71. Schuhmann), Andrijanic (83. Giwah), Ioannou, Edeling, Nagel (76. Jung), Neumann

SV Meppen: Domaschke, Jesgarzewski, Komenda (82. Kremer), Amin, Leugers (63. Undav), Granatowski, Piossek, Ballmert, Kleinsorge (63. Tankulic), Puttkammer, Proschwitz

Schiedsrichter: Franz Bokop (Assistenten: Christian Meermann und Christian Scheper)

Zuschauer: 3051


1:0 gegen Meppen: D/A gewinnt Niedersachsenpokal

Der Fußball-Regionalligist SV Drochtersen/Assel hat am Mittwoch vor 3051 Zuschauern im Kehdinger Stadion seinen Titel im Niedersachsenpokal verteidigt. Stürmer Alexander Neumann schoss D/A zum 1:0-Finalsieg gegen Drittligist SV Meppen.

Trainer Lars Uder schickt eine schlagkräftige Mannschaft ins Finale. Nach langer Zeit mal wieder eine echte Startelf, ohne groß improvisieren zu müssen. Patrick Siefkes, Meikel Klee, Sören Behrmann, Dimitri Fiks, Nico von der Reith und Jannes Elfers verteidigen. Davor sorgen Oliver Ioannou, Marcel Andrijanic und Florian Nagel für Struktur. Jan Ove Edeling und Alexander Neumann wollen für die offensiven Nagelstiche sorgen.

Die Personallage ist pünktlich zum Pokalfinale also so entspannt wie seit Wochen nicht. Mit Marcel Andrijanic kann Trainer Lars Uder seinen Mittelfeldstrategen aufbieten, der bis zum Nachmittag noch als rotgesperrt galt, doch ein Gnadengesuch beim Norddeutschen Fußballverband hatte Erfolg. Zudem meldete sich Jannes Elfers fit zurück, hinter seinem Startelfeinsatz war noch ein dickes Fragezeichen. Schon während der Tage vor dem Finale freute sich Uder, dass er mal wieder „eine Bank hat“. Mit Eyke Kleine, Julian Stöhr, Liam Giwah, Sung Hyun Jung, Marco Schuhmann und Erdogan Pini sitzen auf der Ersatzbank einige Alternativen.

Und D/A beginnt sehr selbstbewusst, will das Spielgeschehen im eigenen Stadion bestimmen, mit der Selbstverständlichkeit einer Mannschaft, die schon die Drittligisten Braunschweig und Osnabrück aus dem Pokalwettbewerb geworfen hat.

D/A am Drücker

Edeling ist schon in 6. Minute gefährlich nah am Abschluss im Strafraum. D/A drückt, selbst die Verteidiger Behrmann und Klee sind einige Male weit in der gegnerischen Hälfte und schalten sich in das teilweise sehr gefällige Kombinationsspiel ein. In der 13. Minute kommt Neumann den einen Tick zu spät an den Ball, als Meppens Torhüter Eric Domaschke weit vorm Strafraum klären muss.

Meppen kommt erst ab der 15. Minute besser ins Spiel. Um die 20. Minute nervt der SVM mit drei ekligen Ecken, gefährlich. Ganz gefährlich wird es im der 38. Minute, als Nick Proschwitz mit einem Kopfball die Latte trifft.

In der zweiten Hälfte ist das Spiel ausgeglichen, mit vielen Halbchancen auf beiden Seiten.

Und dann trifft Neumann in der 78. Minute in unnachahmlicher Art, mal wieder per Heber. Und wer hat ihn ebenso unnachahmlich freigespielt? Andrijanic, der den Ball von Schuhmann zugeköpfelt bekam.

Und dann wird es noch dramatisch. Vier Minuten Nachspielzeit. D/A nimmt clever die Zeit von der Uhr.Doch dann trifft Max Kremer. Aber der Linienrichter zeigt Abseits an. Kurz danach ist der Jubel groß.

D/A hat zum dritten Mal den Niedersachsenpokal gewonnen und steht im DFB-Pokal.

Post Author: bewlescip_JS